Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Psychosomatik

Die Psychosomatische Medizin umfasst die Behandlung (und Rehabilitation) von Patienten mit Erkrankungen, an deren Verursachung psychosoziale Faktoren einen wesentlichen Anteil haben. Der Begriff der Psychosomatik bezieht sich zunächst allgemein auf Krankheitsbilder, bei denen den vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele eine herausragende Bedeutung sowohl beim Zustandekommen der Störung als auch bei deren Aufrechterhaltung zukommt. Zu diesen Erkrankungen zählen nicht nur sogenannte "Somatoforme Störungen" (somatoform = körperähnlich), Essstörungen und Angsterkrankungen, wobei insbesondere Letztere vielfältige körperliche Beeinträchtigungen hervorrufen können. Auch verschiedene Formen der Depression, Persönlichkeitsstörungen und das große Gebiet der Verarbeitungsstörungen und/oder Belastungsreaktionen bei Zugrundeliegen einer primär körperlichen Erkrankung (Depression im Wochenbett, nach Krebserkrankung etc.) bis hin zu Traumatisierungsstörungen sind der Psychosomatischen Medizin zuzurechnen.

Seit Anfang der 90-er Jahre stellt die "Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" auch ein eigenständiges Fachgebiet im Kanon der medizinischen Fächer dar. Unterstützt durch die Gesundheitspolitik wurde insbesondere in Baden-Württemberg seit etwa 2000 mit dem Aufbau von Fachabteilungen für Psychosomatische Medizin an den Allgemeinkrankenhäusern begonnen. Zuvor bestehende Abteilungen und Krankenhäuser wurden - wie auch die Sonnenberg Klinik - dem neuen Fachgebiet zugeordnet. Mit 102 Betten bzw. Behandlungsplätzen stellt die Sonnenberg Klinik in Baden-Württemberg die größte Einrichtung für psychosomatische Krankenhausbehandlung dar. Durch eine enge Kooperation mit der Psychosomatischen Abteilung im Diakonie Klinikum Stuttgart leistet sie auch einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung von Patienten aus der Region Stuttgart bzw. dem Mittleren Neckarraum.


Psychotherapie

Der Begriff der Psychotherapie bezeichnet dagegen die das Fachgebiet der Psychosomatik wesentlich prägende Behandlungsmethode. Psychotherapie heißt zunächst nur "Behandlung mit seelischen Mitteln", die aber gerade im Bereich der stationären Psychosomatik durch eine Vielzahl anderer Behandlungselemente im Sinne einer "Integrierten Psychosomatischen Behandlung" ergänzt wird (z.B. Körpermedizin, Psychopharmakologie, Sozialarbeit, Kunst- und Gestaltungstherapie, Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren, Musiktherapie, Psychodrama etc.)

Bei der psychoanalytischen Psychotherapie handelt es sich um die Bearbeitung krankheitswertiger Störungen und Symptome, die auf lebensgeschichtlich begründete, vielfach unbewusste Konflikte zurückgehen bzw. Ausdruck einer konflikthaften Persönlichkeitsentwicklung sind. In der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie spielen die Konzepte der "Therapeutischen Beziehung" und der "Übertragung" eine besondere Rolle. Da es ein Grundzug menschlicher Existenz ist, in der Vergangenheit Erfahrenes als Erwartung auf die Gegenwart zu "übertragen", können krankmachende Beziehungskonflikte auf einen Therapeuten (oder in der Gruppentherapie auf andere Patienten) "übertragen" und damit einer Behandlung zugänglich gemacht werden. Übertragung stellt damit eine wesentliche Voraussetzung für "Einsicht" in die Krankheitsursachen einer psychischen Störung dar und damit für einen veränderten Umgang mit sich selbst und anderen wichtigen Bezugspersonen.

Verhaltenstherapeutische Interventionen betonen dem gegenüber fehlgeschlagene Lernprozesse und das Prinzip der "Bewältigung", d.h. den aktiven Umgang mit krankheitswertigen Symptomen. Hat der Patient z.B. "gelernt", dass in bestimmten Situationen (vor anderen Menschen oder in engen Räumen, Erkrankungen, die heute als Soziale Phobie bzw. Agoraphobie klassifiziert werden) Ängste bzw. regelrechte Angstanfälle auftreten, stellt das Umlernen und die kognitive Neubewertung dieser Situationen als im Grunde ungefährlich genauso wie die Rückführung  des Vermeidungsverhaltens zentrale Therapieelemente dar. Techniken der "Exposition" bzw. der "Kognitiven Umstrukturierung" haben in diesem Zusammenhang zentrale Bedeutung erlangt.

Während die Vergangenheit durch Schulenstreit und gegenseitige Skepsis geprägt war, bewegen sich die verschiedenen Therapieschulen heute aufeinander zu. Hier hat die empirische Psychotherapie-Forschung einen besonders wichtigen Beitrag geleistet, treten doch aus wissenschaftlicher Perspektive "Schulen" und "Ideologien" zunehmend  in den Hintergrund. Die Diskussion heute wird vielmehr durch "Wirkfaktoren" und "Therapieprinzipien" bestimmt (z.B. die der Ressourcenorientierung, Problemaktualisierung, Intentionsveränderung etc.). Die Mitarbeiter der Sonnenberg Klinik bemühen sich seit langem um eine Integration dieser verschiedenen Wirkfaktoren und Therapiestrategien. Wir orientieren uns dabei an ethischen Grundsätzen bzw. den Kriterien der Effektivität und Effizienz jenseits aller ideologischen Auseinandersetzungen.