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Team "Trauma und komplexe Persönlichkeitsstörungen"

Zielgruppe
Traumata sind schwere seelische Belastungen, die das übliche Maß menschlicher Erfahrungen und damit die Bewältigungsmöglichkeiten des Einzelnen massiv überschreiten. Als Folge dieser das Sicherheitsgefühl und das Selbstverständnis eines Menschen schwer erschütternden Ereignisse können, ggf. mit erheblicher zeitlicher Verzögerung, vorübergehende oder aber auch bleibende Störungsbilder resultieren, die aufgrund einer Vielzahl manchmal verwirrender Symptome nicht immer leicht zu diagnostizieren sind. Als Traumata kommen Unfälle, Unglücke, Naturkatastrophen, Krankheiten und Operationen genauso wie überwältigende zwischenmenschliche Erfahrungen (z.B. körperliche Misshandlung, sexueller Missbrauch, schwere Verluste etc.) in Betracht.

Dem entsprechend leiden die Patienten, die in dieser Abteilung behandelt werden, häufig unter zahlreichen "Störungen", insbesondere Beziehungsregulationsstörungen und daraus resultierenden Symptomen wie Ängsten, Zwängen, Hemmungen, chaotischen Gefühlen, dissoziativen Zustände, d.h. Zuständen ungewollter gedanklicher oder gefühlsmäßiger Abwesenheit, einer Tendenz zur Selbstverletzung oder Körpersymptomen, die sie nicht mit dem bewussten Willen beeinflussen können. Patienten mit traumatischen Erfahrungen können sich manchmal oder zeitweise nicht mehr spüren oder haben das Gefühl, Teile ihrer Persönlichkeit stehen ihnen nicht oder nicht mehr zur Verfügung, so dass sie mit ihrem persönlichen und beruflichen Leben nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt zurecht kommen.

Das Angebot der Abteilung richtet sich in der Regel an Erwachsene etwa zwischen dem 20. und dem 60. Lebensjahr, die unter einer psychotraumatologisch relevanten Störung sowie Erwachsene mit Störungsbildern anderer Genese, gegebenenfalls in Kombination mit einer anderen psychischen Erkrankung (z.B. einer Depression etc.) leiden.


Behandlungskonzept
Das integrative Behandlungskonzept besteht aus einer Kombination von sprachlichen und nichtsprachlichen, gleichermaßen bewältigungsorientierten wie auch psychodynamisch fundierten Therapieansätzen. Neben der Stärkung der eigenen Fähigkeiten zur Selbststabilisierung und -steuerung liegt ein Schwergewicht dabei insbesondere auf einem psychodynamischen gruppentherapeutischen Ansatz in Kombination mit sowohl kreativ- szenischen als auch gestaltungstherapeutischen Therapieverfahren, wie auch Sport- und Bewegungstherapie in der Gruppe, unterstützt durch bedarfsabhängige sozialtherapeutische Einzelgespräche. Entscheidend wichtiger übergreifender Baustein ist auch die intensive Behandlungspflege im Bezugspflegesystem. Gegebenenfalls kann eine vorbestehende psychopharmakologische Behandlung weiter, bzw. bei entsprechender Indikation begleitend durchgeführt werden.

Behandlungsangebot
Die Abteilung für Posttraumatische Belastungsstörungen und Persönlichkeitsstörungen verfügt über insgesamt 7 Behandlungsplätze. Im Einzelnen enthält der wöchentliche Therapieplan:

  • Psychodynamische Gruppentherapie 4 x à 100 Min.
  • Psychodynamische Einzeltherapie 1 x à 50 Min.
  • Stabilisierungsübungen 2 x à 45 Min.
  • Sporttherapie 1 x à 60 Minuten
  • Musiktherapie
  • Sozialtherapie nach Bedarf als Einzeltherapie
  • Im Rahmen der Sozialtherapie kann auch ein therapeutischer Arbeitsversuch eingeleitet werden. Die dabei gemachten Erfahrungen werden dann therapeutisch vor- und nachbereitet, so dass sich neue Perspektiven auch im beruflichen Bereich ergeben können. In der Regel werden auch die sport-, bewegungs- und gestaltungstherapeutischen Angebote zusätzlich in der Freizeit genutzt
  • Bezugspflege: die stationäre Psychotherapie wird von einer Abteilungsschwester und deren Vertretung begleitet, die den behandlungspflegerischen Bezug herstellt und gestaltet
  • Bedarfsgruppe: an Wochenenden sowie Feiertagen findet eine tägliche Bedarfsgruppe à 60 Min. statt
  • Freie Angebote: Patienten haben die Möglichkeit an zahlreichen freien Therapieangeboten teilzunehmen

 


Behandlungsablauf
Die Notwendigkeit und Möglichkeit einer vollstationären Behandlung in unserem Fachkrankenhaus wird vor der Aufnahme sorgfältig geprüft. Die Interessenten werden gebeten, einen "Selbstbericht" auszufüllen, die vorbehandelnden Ärzte oder Psychotherapeuten um eine kurze Stellungnahme gebeten. Grundsätzlich wird ein ambulantes Vorgespräch durchgeführt, das der Klärung der Möglichkeit einer stationären Behandlung sowie deren Voraussetzungen dient. Jeder Patient wird in den ersten Tagen von seinem Paten, d.h. einem Mitpatienten seiner Abteilungsgruppe, begleitet. Ab dem 2. Aufenthaltstag ist die Teilnahme am Therapieprogramm der Abteilung verbindlich.

Die Behandlung ist in das therapeutische Konzept der Gesamtklinik unter dem Aspekt der therapeutischen Gemeinschaft eingebettet. Wir gehen von einer durchschnittlichen Behandlungsdauer zwischen in der Regel mindestens 4, höchstens etwa 10 bis 12 Wochen aus.


Behandlungsziele
Das Ziel der Behandlung besteht vor allem in der Entwicklung einer ausreichenden psychischen Stabilität bei häufig in ihren Ich-Funktionen erheblich beeinträchtigten Patientinnen und Patienten. Angestrebt wird deswegen die Zunahme von Fähigkeiten zur Selbststeuerung, von Fähigkeit zu vertiefter Einsicht sowie eines zunehmenden Verständnisses für die Krankheitszeichen. Neben der Stärkung der allgemeinen Konflikt- und Beziehungsfähigkeit, der Entdeckung von Ressourcen und inneren Kräften, der Förderung von positiven Selbstbildern und der Auseinandersetzung mit der Bedeutung und den Folgen der Erkrankung, sind die Verbesserung der Realitätsanpassung, die Stärkung der Selbstfürsorge sowie eine Stärkung der Selbstwirksamkeit wichtige Voraussetzungen für eine Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse und deren Folgen.

Die stationäre Behandlung in dieser Abteilung dient auch dem Aufbau bzw. der Stärkung einer ausreichenden Motivation für eine anschließend häufig indizierte längerfristige ambulante Psychotherapie.