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Team "Essstörungen"

Zielgruppe
Das stationäre psychotherapeutische Angebot in der Abteilung für die Psychotherapie von Patientinnen und Patienten mit Essstörungen richtet sich an Menschen im Alter zwischen 18 und circa Mitte 30, die an einer Magersucht (d.h. einer anorektischen Erkrankung) oder einer Ess-Brechsucht (d.h. bulimischen Essstörung) bzw. an einer Mischform dieser beiden Krankheitsbilder leiden. Eine stationäre psychotherapeutische Behandlung ist besonders dann sinnvoll, wenn

  • eine ambulante Behandlung nicht zu einem ausreichenden Erfolg führt
  • vielfältige körperliche Folgeerkrankungen dies erforderlich machen
  • eine Gewichtsabnahme sehr rasch erfolgt bzw. die/der Betroffene sich trotz deutlichen Untergewichts immer noch als zu dick erlebt bzw. sich Ess-Brech-Anfälle verselbstständigt haben
  • zusätzlich anderes Suchtverhalten oder andere symptomatische Verhaltensweisen bestehen.


Behandlungskonzept
Diese typisch psychosomatischen Krankheitsbilder führen häufig, insbesondere bei längerem Verlauf, zu erheblichen körperlichen und sozialen Konsequenzen, die sekundär häufig weitere Körper, Seele und Umwelt betreffende Probleme und Konflikte mit sich bringen. Insofern steht die Auseinandersetzung mit und Begrenzung von diesen - letztlich selbstzerstörerischen - Verhaltensweisen im Mittelpunkt unseres Behandlungsansatzes. Gleichzeitig werden zugrundeliegende Konflikte und Entwicklungsdefizite im Rahmen des stationären Aufenthaltes bearbeitet, um auch nach dem Klinikaufenthalt ein normaleres Essverhalten aufrechterhalten zu können. Häufig ist aufgrund eines mangelnden Selbstwertgefühls und auch aufgrund erheblicher Schwierigkeiten in der Identitätsfindung die altersgemäße Ablösung vom Elternhaus, die Suche nach Eigenständigkeit und Übernahme von Verantwortung in hohem Maße behindert.


Behandlungsangebot
Die Abteilung verfügt über 9 Behandlungsplätze. In der therapeutischen Arbeit werden einsichtsorientierte (Gruppentherapie, Einzeltherapie, Sozialtherapie), erlebnisorientierte (Gestaltungstherapie sowie Körper- und Bewegungstherapie) und verhaltenstherapeutische Therapieelemente miteinander kombiniert:

Während in Einzel- und Gruppentherapie, der Gestaltungs- und Körpertherapie die Auseinandersetzung mit der Innenwelt und dem subjektiven Erleben von Beziehungen im Vordergrund steht, unterstützt die Sozialtherapie den Patienten bei wichtigen Weichenstellungen hinsichtlich seiner realen Lebenssituation nach dem Klinikaufenthalt. Die verhaltenstherapeutischen Therapiemodule dienen der direkten Einflussnahme auf die im Vordergrund stehende Symptome der jeweiligen Essstörung. Die verschiedenen Behandlungsbausteine sind eingebettet in das therapeutische Konzept der Gesamtklinik, die unter dem Aspekt der Therapeutischen Gemeinschaft den Rahmen für den individuellen Behandlungsverlauf darstellt.

Bei entsprechender Indikation werden auch Paar- und Familiengespräche durchgeführt. Daneben besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an sogenannten "Freien Therapieangeboten", beispielsweise Imaginationsübungen zur psychischen Stabilisierung, Entspannungsverfahren, Freies Gestalten, Musikmeditation, Bogenschießen etc. Die Behandlung wird in Absprache mit dem Patienten ergänzt durch körpermedizinische und physiotherapeutische Maßnahmen, im Bedarfsfall auch durch die Gabe von Psychopharmaka.


Behandlungsablauf
Insbesondere in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Essstörungen hat sich die Durchführung der Therapie in einer homogenen Gruppe von Menschen mit ähnlichen Symptombildungen sehr bewährt. Eigene Schwierigkeiten und Konflikte werden oft besser verständlich, wenn der Betreffende sie auch bei einem anderen Menschen beobachten kann.

Vor Beginn der stationären Behandlung wird die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Behandlung in der Sonnenberg Klinik sorgfältig überprüft. Aufnahmevoraussetzung ist ein BMI von mindestens 15 (BodyMass-Index: Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat). Daher bitten wir Interessenten an unserem Behandlungsangebot, einen "Selbstbericht" auszufüllen und um eine kurze Einschätzung durch den vorbehandelnden Arzt/Psychotherapeuten. Üblicherweise führen wir dann ein ambulantes Vorgespräch durch. Dieses dient dem gegenseitigen Kennenlernen, gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, Fragen zu den Voraussetzungen einer Behandlung in unserer Klinik zu klären und auch das Behandlungsangebot zu erläutern. Jeder Patient wird in den ersten Tagen von seinem Paten, d.h. einem Mitpatienten seiner Abteilungsgruppe, begleitet. Ab dem 2. Aufenthaltstag ist die Teilnahme am Therapieprogramm der Abteilung verbindlich.


Behandlungsziele
Die Behandlungsziele werden zusammen mit jedem Patienten individuell formuliert und sind von verschiedenen Aspekten abhängig, z.B. dem zugrundeliegenden Störungsbild, der Krankheitsdauer, aber auch den Wünschen, Vorstellungen und Möglichkeiten unserer PatientInnen. Im Vordergrund steht die Einflussnahme auf die in der Regel oft schon mehrere Jahre bestehende Symptomatik sowie deren körperliche und psychosoziale Folgen. Dabei hat es sich bewährt, schon zu Beginn der Behandlung gemeinsame Zielvorstellungen zu formulieren, z.B. bestimmte Gewichtsziele auszuhandeln. Zum Auftakt der Behandlung steht die Etablierung eines tragfähigen Arbeitsbündnisses im Vordergrund, zum Ende der Therapie nimmt in der Regel auch die Planung der Zeit nach dem Klinikaufenthalt, sowohl hinsichtlich der sozialen Situation wie auch bezüglich einer ambulanten Fortführung der Therapie besonderen Raum ein. Die Ziele der Behandlung müssen selbstverständlich im Verlauf des Prozesses immer wieder überprüft und auch hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit kritisch überdacht werden.